< >

Martha

Romantisch-Komische Oper von Friedrich von Flotow

»Dank der intelligenten und stimmigen Modernisierung durch Kay Link, die ganz mit dem Witz der Partitur einher geht, gerät der Abend zum unterhaltsamen Vergnügen.« Der opernfreund

»Unterhaltung auf hohem Niveau. Kay Links Idee trägt von vorn bis hinten« Theater Pur

Premiere von "Martha oder der Markt zu Richmond" begeistert Zuschauer

Das Landestheater hat am Freitagabend dem Musiktheater das dritte Glanzlicht dieser Spielzeit hinzugefügt. „Martha oder der Markt zu Richmond" von Friedrich von Flotow spielt in der Inszenierung von Kay Link in der Gegenwart und ironisiert augenzwinkernd ganz spezielle TV-Shows.

Die während der Ouvertüre im Dämmerlicht zu sehende Pantomime zeigt eine sich im Luxus langweilende junge Frau, der auch ein One-Night-Stand die Schwermut nicht vertreibt. Aus einer Laune heraus beschließt sie gemeinsam mit ihrer Vertrauten, sich in der gerade laufenden TV-Show „Bauer sucht Magd" als solche anzubieten.

Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass ihr ausgerechnet in dieser künstlichen Welt der Mann begegnet, der bei ihr erstmals echte Gefühle auszulösen vermag. Es folgen zahlreiche Verwicklungen und das obligate Happy-End. Alle Strömungen der Biedermeier-Epoche lassen sich an einer Musik ablesen, die dieser deutschen Oper ihren einzigartigen Welterfolg bescherte. Das Orchester unter György Mészáros changiert zwischen Singstil und ländlichen Tänzen, Lyrismen und pathetischen Ausbrüchen.

Und alles geht sofort ins Ohr, um lange darin zu verweilen. Nora Johanna Gromer hat auf der Bühne ein von einer quirligen Menge bevölkertes TV-Studio errichtet, später ein reichlich unaufgeräumtes Männerzimmer und am Ende ein faszinierendes Waldbild, an dessen Stämmen der verlassene Liebhaber Lyonel Suchbilder seiner „Martha" befestigt.

Doch es mangelt auch keineswegs an Komik, etwa wenn sich viel zu viele Kandidatinnen um ein männliches Prachtexemplar drängeln. Oder wenn den Brüdern Lyonel und Plumkett „Teleprompter" aus Pappe zu Diensten stehen. Und zur Rettung der beiden Ladys aus einem unfreiwillig bezogenen Quartier taucht sogar eine Comicfigur auf.

Es ist eine Freude, den hier fast ständig anwesenden, von Francisco Damiani einstudierten Chor zu erleben. Nicht minder erfreut die Schar der jungen Sänger. Die Paraderolle des Lyonel hat Stephen Chambers übernommen, dessen klar und biegsam geführter Tenor bei Lyrik und Dramatik gleichermaßen überzeugt. Seine Figur zeigt auch als zutiefst gedemütigte Person keinerlei Larmoyanz, sondern einen Mann, der aus Liebe zu verzeihen vermag.

Hinreißend auch Emily Dorn als Lady Harriet, die nicht nur betörend die „letzte Rose" schildert, sondern auch beim Kuchenbacken jeden Eierwurf mit glitzernden Koloraturen bestätigt. Ihre Freundin Nancy (Dara Savinova) und Lyonels Bruder Plumkett (Benjamin Lewis) überzeugen einmal mit stimmlicher und figürlicher Anmut, zum anderen mit dem zum Outfit passenden, kernig-rustikalen Bariton. Wie schön die vier Stimmen miteinander harmonieren, wird in den Quartetten des dritten Bildes deutlich. Seungwon Lee gibt einen stimmgewaltigen, meist etwas muffig auftretenden adligen Verehrer.

Wenn am Ende die Realität krachend in die Scheinwelt einbricht, müssen deren Veranstalter schweigen und werden einfach mundtot gemacht. Denn vor dem glücklichen Ende geht es tatsächlich zumindest für den empfindsamen Lyonel um alles oder nichts. So schrammt das Finale gerade noch am Drama vorbei. Lang anhaltender Beifall belohnte eine überzeugende gemeinsame Leistung. Ein Extra-Applaus galt dem hoch professionell agierenden, aber stummen TV-Team und „Moderatorin" Rita Gmeiner.

Lipper Zeitung


Partnersuche im Privatkanal
Nein, ist das langweilig! Ewig dasselbe, von morgens bis abends. Lady Harriet erstickt förmlich an den täglich gleichen Ritualen am Hofe, an den ewig gleichen Menschen rings um sie herum. Weshalb nicht mal ausbrechen aus all den Konventionen? Wenigstens für ein paar Tage. Und Nancy, Lady Harriets Vertraute, zieht mit, blieben ihre bisherigen Aufmunterungsversuche doch völlig erfolglos. Beiden kommt die Idee, sich ihrer hochadligen Identität zu entledigen, sich als Mägde zu verkleiden – und den Markt zu Richmond zu besuchen, wo gerade dienstbare weibliche Geister meistbietend von den Bauern der Gegend ersteigert werden. Womöglich ist ja ein fescher Bub dabei?

So beginnt die Geschichte, die Friedrich von Flotow in Martha oder Der Markt von Richmond erzählt, jener 1847 uraufgeführten lustigen Spieloper, der ein unglaublicher und über etliche Jahrzehnte anhaltender Erfolg auf nationalen und internationalen Bühnen beschieden war. Gewiss: dieser Erfolg ist zwar längst verblasst und das Stück steht nur selten noch auf den Spielplänen. Vielleicht weil der Plot nun doch recht einfach „gestrickt“ und manches der Handlung schlichtweg vorhersehbar ist. Aber Martha ist und bleibt gute Musik. Und als Unterhaltung auf hohem Niveau hat Martha auch heute (noch oder wieder) ihre Berechtigung. Das jedenfalls unterstreicht Regisseur Kay Link mit seiner aktuellen Inszenierung.

Ihm fällt ein hübsch aktualisierender „Kniff“ ein, indem er Martha als das anlegt, was sie gut und gern sein könnte: eine Fernsehshow unter dem Titel „Bauer sucht Frau“ - oder hier genauer: „Landwirt sucht Magd“, irgendwo in den Alpen, wo die Frauen noch Dirndl tragen und die Kerle in ihren Krachledernen umherlaufen. Lady Harriet und Nancy mutieren zu Martha und Julia. Und auch der lästige Cousin Sir Tristan, ab sofort „Bob“, bekommt eine Lederhose und einen lustigen Seppelhut mit Gamsbart verpasst. Das Spiel nimmt seinen Lauf vor laufenden Kameras und unter Federführung der Fernsehmoderatorin Frau Brause (die verblüffende Ähnlichkeiten aufweist mit der real existierenden Inka Bause!). Kay Links Idee trägt. Von vorn bis hinten. Einfach nett anzusehen, wie sich Lyonel und Plumkett, die beiden Landwirte, die Martha und Julia auf dem Markt anheuern werden, werbend präsentieren. Später sorgen die Kameras auch für eine „Homestory“, in der schnell deutlich wird, dass die beiden Neuzugänge keine Ahnung von Garnichts haben, also zu häuslicher Arbeit völlig unfähig sind. War anderes zu erwarten? Es kommt, wie es kommen musste: Lady Harriett und Nancy fliehen, Lyonel und Plumkett bleiben tief verletzt zurück!

Papparazzi - also noch einmal ungezügelte Medien - sind es dann auch, die in den Wald stürmen, als dort irgendwelche Promis ein Meeting abhalten. Die beiden vermeintlichen Mägde sind auch dabei, inzwischen wieder in ihre ursprüngliche Identität mutiert. Zufällig sind Lyonel und Plumkett auch vor Ort, erkennen ihre Mägde, die aber bestreiten, eben jene zu sein. Und dann kommt der „Showdown“, der immer gut funktioniert: Lyonel entpuppt sich als aus gräflichem Geschlecht stammend. Und am Ende gibt es Doppelhochzeit: die Paare finden zusammen. Lyonel bekommt seine Lady, Plumkett deren Vertraute. Alles in bester Ordnung!

Mit vielen kleinen Details amüsiert Kay Link sein Publikum, spart nicht mit witzig inszenierten Situationen, etwa jener, in der Lord Tristan alias „Bob“ die Damen in Superman-Montur befreit.

Das Ganze ist eine augenzwinkernde Persiflage auf das Doku-Soap-TV, das nicht Wenige tagtäglich in der Flimmerkiste sehen. Nur bekommen sie kaum so schöne, schwungvolle, atmosphärisch wunderbar passende Musik zu hören, wie Friedrich von Flotow sie für Martha  geschrieben hat. [...] Emily Dorn als Lady Harriet, Dara Savinova als Nancy, Seungweon Lee als etwas tumber Lord Tristan und Rita Gmeiner als ewig grinsende TV-Moderatorin. Benjamin Lewis macht eine ausnehmend gute Figur als der betuchte Pächter Plumkett, Stephen Chambers fällt im Detmolder Ensemble zum wiederholten Mal als spielgewandter und sängerisch lockerer Tenor auf. Alle können in von Flotows prickelnden Ensembles glänzen. Das macht einfach Spaß: tolle Melodien, aufgepimpt im RTL-Gewand.

theater:pur

 

Martha“ – Opernspaß mit glücklichen Mägden und grünen Weiden

Schmachtende Musik, liebreizende Ladys, artige Zofen und Mägde, tollpatschige Liebhaber, snobistische Adelige und dazu ein richtig britisch-distinguiertes Ambiente. Klingt irgendwie langweilig, oder? Ja, wäre es auch. Aber dann haben Sie diese Oper noch nicht in Detmold gesehen. Denn was Kay Link in seiner Inszenierung daraus macht, ist alles anderes als lieb, brav, langweilig oder gar snobistisch. Er versetzt das Stück in die neuzeitliche Reality-TV-Zeit mit all ihren besonderen Kuppelshows und lässt einfach den Bauern seine Magd suchen. [...]

Regisseur Kay Link macht aus der Oper kurzerhand eine Reality-Show mit Livecams, zahlungskräftigen Bauern die Mägde suchen, nimmt noch einen Sexy-Jungbauern dazu, dem die anwesende Damenwelt nur so von allein hinterherläuft und lässt die Geschichte um die frustrierte und gelangweilte Lady Harriet einfach laufen. Und das so spaßig und kurzweilig, dass man zum Ende hin versucht ist zu denken, das könnte doch ruhig noch ein weiteren Akt so weitergehen. [...] 

Ein wirklicher Spaß, den das Landestheater Detmold seinen Besuchern bietet. Und man muss Kay Link danken, dass er diesen Stoff auf solch humorvolle Weise umsetzt [...].

Fazit: Termin aussuchen – Eintrittskarte kaufen – und sich unterhalten lassen! 

Das Opernmagazin

 

Bauer sucht Frau in Detmold

Friedrich von Flotows viel zu selten gespielte Martha ist seit gestern am Landestheater Detmold zu erleben. Dank der intelligenten und stimmigen Modernisierung durch Kay Link, die ganz mit dem Witz der Partitur einher geht, gerät der Abend zum unterhaltsamen Vergnügen.
Eine gelangweilte Lady und ihre Freundin verdingen sich zum Spaß als Mägde, obwohl ihnen die einfachsten Tätigkeiten fremd sind. Die Pächter, die sie auswählen, verlieben sich in sie und nachdem die Scharade auffliegt, scheint das Glück zuerst verloren. Als sich aber herausstellt, dass Lyonel in Wahrheit selbst adelig ist, steht einer glücklichen Zukunft mit der Lady nichts mehr im Wege. Mit reichlich Humor und Esprit verlegt Regisseur Kay Link diese Story ins Hier und Jetzt und lässt die beiden Damen bei einer Art „Bauer sucht Frau“ an zwei Landwirte geraten. Mit Augenzwinkern entlarvt er damit den TV-Heiratsmarkt, denn wer die Show beim Sender mit den drei bunten Buchstaben schon einmal gesehen hat, wird irgendwie den Eindruck nicht los, dass da eher billige Arbeitskräfte gesucht werden, die die seit Jahren nicht mehr geputzte Bude einmal richtig durchwischen, als unbedingt die große Liebe. Deshalb lässt sich der Markt für landwirtschaftliche Arbeitskräfte aus dem England zu Beginn des 18. Jahrhunderts problemlos dreihundert Jahre in unsere Zeit holen. Link erliegt dabei nicht der Versuchung, einen Schenkelklopfer nach dem anderen zu präsentieren, sondern arbeitet mit feiner, oft subtiler Komik und schafft zusammen mit der Ausstatterin Nora Johanna Gromer und der Maskenbildnerin Kerstin Steinke eine originelle TV-Kulisse auf den Brettern des Landestheaters samt trachtenartiger Kleidung inklusive des einen oder anderen modischen Fehlgriffs, wie man ihn aus der TV-Show kennt. Die Produktion spiegelt so die Leichtigkeit und den Witz von Friedrich von Flotows origineller Partitur, die vor eingängigen Melodien – auch jenseits des Volksliedes The Last Rose of Summer – nur so sprüht.
Das Ensemble ist mit seiner hinreißenden Begabung für Komik und seinen klangschönen Stimmen aber auch wie gemacht für diese romantische Komposition. Emily Dorn ist eine begeisternde Lady Harriet, ihr farbenreicher Koloratursopran glänzt mit Beweglichkeit und feiner Höhe – auch wenn ich da ein wenig die Leichtigkeit vermisse. Dara Savinovas Mezzo verfügt über viel Wärme und eine geradezu sinnliche Tiefe – so wird sie zur idealen Nancy. Stephen Chambers gefällt als Lyonel mit klarer, tragfähiger und scheinbar müheloser Höhe und zartem Schmelz, während Benjamin Lewis als Plumkett die Stärken seines facettenreichen Baritons ebenso ausspielen kann, wie sein darstellerisches Talent. Als Komödiant geradezu eine Wucht ist Seungweon Lee als hoffnungslos verliebter Lord Tristan. Herrlich, wie der Bass mit den Möglichkeiten seiner Rolle spielt – und dabei präzisen und einprägsamen Gesang nicht vergisst. Dagegen bleibt Torsten Lücks Richter auch stimmlich eher eine Randerscheinung. Ganz vorzüglich gefällt mir wieder Rita Gmeiner, die als Inka Bause-Double kokett und affektiert die Moderatorin gibt. György Mészáros entfacht im Graben ein Feuerwerk der guten Laune, schwelgt im romantischen Melodienreichtum, präsentiert aber da und dort bei allem Witz auch ein wenig sentimentalen Tiefgang. So lotet er zusammen mit den Musikerinnen und Musikern des Symphonischen Orchesters des Landestheaters Detmold die Möglichkeiten der Partitur voll aus und präsentiert zusammen mit den Damen und Herren des Chores, der von
Francesco Damiani vortrefflich betreut wird, musikalischen Hochgenuss aus einem Guss. Das komplette Ensemble hat spürbar Freude an seiner Aufgabe, gefällt sich in seiner Rolle und so springt der Funke mühelos über aufs Publikum, das begeistert ist am Ende des Abends und allen Beteiligten lange anhaltend applaudiert – auch dem Produktionsteam um Kay Link, dem mit seiner „Bauer sucht Frau“-Persiflage Unterhaltung im besten Sinne gelungen ist.

Der Opernfreund

 

Ein Stern für Martha

»Für die Detmolder Inszenierung der Oper MARTHA gibt es einen selten vergebenen OPERNFREUND-STERN! Da sind sich die Redaktionen von zwei der größten Opern-Onlinemagazine im gesamten deutschsprachigen Bereich, DER OPERNFREUND (Dr. Peter Bilsing) und DAS OPERNMAGAZIN (Detlef Obens) einig! Gratulation an das Landestheater Detmold«

Detlef Obens auf Facebook (29. Dezember 2018 um 09:53)

Einen Trailer zu dieser Inszenierung finden Sie HIER.

Musikalische Leitung:
Gyorgy Meszaros
Regie:
Kay Link
Ausstattung:
Video:
Nikolay Schröder
Dramaturgie: