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Im weißen Rössl

Singspiel in drei Akten von Ralf Benatzky (Rekonstruktion der Originalfassung von 1930)

»Das ist der Zauber der Saison,
er füllt uns unsere Kassen,
und weil wir alle leben davon,
woll'n wir sie leben lassen.

So ein Sommer bringt uns Geld wie Heu
unberufen, unberufen, toi, toi, toi.
Einer jeder neppt nach seiner Facon -
das ist der Zauber, das ist der Zauber der Saison!«

Finale I

Das wiedergefundene Rössl ist greller und jazziger als das bis heute gespielte 1950er-Jahre-Arrangement. Selbst die historischen Aufnahmen einzelner Musiknummern konnten nur eine ungefähre Vorstellung davon vermitteln. Das Original ist gekennzeichnet durch eine Dramaturgie der Abwechslung, überraschenden Modulationen und abrupten Stilwechseln. Stilistisch reicht die Urfassung von der Wiener Klassik über das Wienerlied mit Zithertrio und Volksmusik-Anklänge bis hin zur Unterhaltungsmusik der Entstehungszeit, wobei mit einer Jazzband im Orchester deutliche Akzente gesetzt werden. In dieser Urform besitzt das Weiße Rößl eine hörbare Nachbarschaft zur zwei Jahre zuvor uraufgeführten Dreigroschenoper-Musik Kurt Weills, ebenso wie eine Nähe zum gerade entstehenden Tonfilmschlager und den großen Berlin-Revuen der 1920er-Jahre. [...] Die Dialogfassung ist pointierter und bissiger. Insgesamt ist die Haltung des Ur-Rössl satirischer als in der gängigen Nachkriegsfassung, die das Stück auf Heimatseligkeit verharmlost. So ist diese Ur-Fassung eine temporeiche, tänzerisch kreiselnde und vergnüglich ins unvermeidliche Liebesglück taumelnde Bilanz des legendären Unterhaltungstheaters der Weimarer Republik, von den Revuebildern der Wilden Zwanziger bis hin zur augenzwinkernden, sprachlichen und musikalischen Konfrontation der österreichischen Alpen mit der Berliner Geschäftswelt.

(Ankündigung)

ist am 25. Januar 2019, 19.30 Uhr, im Staatstheater Cottbus.